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Album: interplay

Artist: Corinna Reich & Dirk Strackhof

Eine einzelne Stimme, ein Bass und …weiter nichts. Kein zusätzliches Instrument stört die intime musikalische Zwiesprache von Corinna Reich und Dirk Strakhof, kein Klavier, keine Gitarre, kein Schlagzeug, keine Streicher, keine elektronische Spielerei, kein überflüssiger Ton, kein aufdringlicher Akkord, kein effektheischender Rhythmus. Konzentration auf das Wesentliche ist das Motto dieser CD namens "Interplay".

Es ist ein Wagnis, das die beiden in Berlin lebenden Künstler eingegangen sind, ein Wagnis, das überschaubar scheint, das aber in Wirklichkeit ein hohes ist. Die Künstler hüllen sich auf diesen Aufnahmen nicht in den Samt eines klassischen Klaviertrios oder die Seide von aufbauschenden Arrangements einer noch größeren Band. Die beiden stehen im Gegenteil völlig nackt vor uns und entblättern dabei auf ganz und gar unspektakuläre Weise ihre sensiblen musikalischen Seelen.

Sie tun dies konzentriert und mit der Ruhe und Leichtigkeit langjähriger Erfahrung im Jazzidiom. Keine Hektik, auch nicht in den melodischen und sparsam gesetzten Basssoli, durchbricht die meditative Stimmung der Songs, die überwiegend aus dem Great American Songbook entstammen und wenn sie dies nicht tun, trotzdem so klingen. Auch die vier Songs aus eigener Feder, die Corinna Reich dem Album hinzufügt, fallen nicht aus diesem Klangbild heraus. Nicht der lyrische "Space Walk", der in ein lyrisches Vokalsolo mündet oder der Song "Love Is Tryin' To Escape", der durchaus poppige Ohrwurmqualitäten aufweist, oder das "Still", ein zeitgemäßer Jazz-Singer-Songwriter-Song, wie er auch aus der Feder einer der prominenten skandinavischen Sängerinnen wie Silje Neergard stammen könnte.

Den Beziehungsklassiker "The Thrill Is Gone" interpretiert Corinna Reich in völliger Abwesenheit von Pathos, mit einer urbanen Leichtigkeit, abgeklärt und lebenshungrig zugleich. Bill Evans' "Interplay", Titelgeber des Albums, gerät zu einem leichtfüßigen Exempel in der Kunst des Duospiels. Unisonoparts, wechseln sich ab mit lässig hingeworfenen Improvisationen über das verzwickte Thema, das hier vom kanadischen Saxofonisten Mike Segal mit einem neuen Text versehen wurde. In "Lush Life" erkundet Corinna Reich die Tiefen ihrer Stimmlage ohne jemals ihre natürliche Leichtigkeit zu verlieren, während Dirk Strakhof seinen Kontrabass mit stets schlankem Ton wirken lässt. Mit "I Fall In Love Too Easily", Lambert Hendricks & Ross´ "Centerpiece" oder Dietz & Schwartz' "Alone Together" erklingen weitere Love-Songs im musikalischen Bettgeflüster dieser Affäre zwischen zarter Stimme und bauchigem Viersaiter. In "Never let me go" darf dann scheinbar doch mal ein anderes Instrument zwischen die beiden mit Tönen sich umschlingenden. Es ist irgendetwas im Klangspektrum zwischen Trompete mit Dämpfer und Posaune in hoher Lage. Keine Angst, das Duo ist hier nicht plötzlich inkonsequent geworden und hat sich zur musikalischen menage á trois einen Gast ins Studio geholt, die posaunenhafte Trompete entspringt ganz und gar der Klangphantasie und den Stimmbändern von Corinna Reich.

Die Schnörkellosigkeit ihres Gesangs betört auch noch nach dem fünfzehnten und letzten Song auf der CD, denn ihre gerade und unprätentiöse Art zu singen entspringt keiner inneren Eiseskälte, sondern decouvriert ganz das Gegenteil, nämlich mädchenhafte Selbstverliebtheit und frauliche Herzenswärme und im klugen Zusammenspiel sowohl bei Stimme, als auch beim Bass bescheidene Könnerschaft. Diese Bescheidenheit spiegelt sich auch in der Aufnahme und Mastering dieser Duo-Aufnahme wieder, die von Volker Greve geleistet wurde und mit wenigen Mitteln auskommt. Die dennoch vorhandene Fülle dieses "Interplays" speist sich allein aus dem meisterlichen Zusammenspiel und der ebenso meisterlichen Kunst der Zurückhaltung und des Weglassens von Corinna Reich und Dirk Strakhof.

Music, Art & Entertainment - Oliver Hafke Ahmad

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The ultimate challenge for the jazz vocalist. Singing that melody with assuredness and building your improvisation without the benefit of chord-support from a piano, guitar or instrumental ensemble. Showing what you're made of, vocally, by daring to record a demanding program of 15 tunes, accompanied only by a bass. This is where they separate the men from the boys. Or, in the case of Berlin-based female vocalist, Corinna Reich, the ladies from the girls.

The most recent example of such adventuresome vocalizing that I can recall is Mark Murphy's 1983 recorded tribute to Nat King Cole, which featured vocals with separate accompaniment by individual soloists on guitar, piano and bass. Back then even the Great Murphy never thought of risking an entire vocal outing, supported only by a stand-up bass!

All the more credit to Corinna for what she has achieved here, with the outstanding assistance of bassist Dirk Strakhof. They have set new standards for pure courage and musical innovation.

In addition to four originals by Corinna and one by Dirk, the program includes several fine standards, among which my favorites are the title-tune "Interplay", the Lambert, Hendricks & Ross classic, "Centerpiece", and a very humorous rendition of "The Thrill is Gone", where Corinna evidences a command of English and its nuances that is found only very rarely in a European jazz singer.

But it's the original tunes from this session that I find most tantalizing. Especially the opening number, "Still". Check out Corinna's vocal improvisation here. Impeccable phrasing and intonation.

As for the bassist, Dirk Strakhof provides, throughout the entire session, much more than mere accompaniment and emotional support for the vocalist. This is particularly true for Dirk's performance on his own original song, "Jerry's Mood".

A final word of recognition here to Canadian alto saxophonist, Mike Segal, who provided the excellent lyrics to three of the original tunes on this disc as well as to the Bill Evans classic, "Interplay".

Tom Maguire
Berlin

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